Die Storytelling-Expertin im Interview

Sabrina Friedrich: „KI funktioniert nicht ohne menschliches Herz & Hirn!“

Sabrina Friedrich ist Gründerin von Brandtime Stories. Außerdem ist sie tätig als Freelance-Texterin & Copywriting-Trainerin und hostet den Podcast From Nine To Thrive. Was sie zum Gründen gebracht hat und welche Erfahrungen sie sammeln konnte, erklärt sie im Interview zum Gründerkongress.

Wie kam es dazu, dass du dich selbstständig gemacht hast?

Ich konnte mir schon zu Schulzeiten und im Studium vorstellen, meine eigene Chefin zu sein und habe schon früh angefangen, mit diversen Nebenjobs Geld zu verdienen und eigene Projekte umzusetzen. Die Freiheit, meinen Tag und meine Arbeit selbst gestalten zu können, hat für mich immer das vermeintliche “Risiko” und die Unsicherheiten einer Selbstständigkeit überboten. Ich bin auch nicht ohne Plan und Vorarbeit von 0 auf 100 in die Selbstständigkeit gestartet, sondern war einige Jahre in einer Festanstellung, während ich mir mein Business aufgebaut habe. Dann habe ich Stunden reduziert und irgendwann gekündigt, als ich mich bereit gefühlt habe – obwohl das mitten in der Pandemie war.

Warum spielt Storytelling eine so große Rolle für Unternehmen?

Beobachte dich gern mal selbst: Wann hat dich zuletzt eine salesy 0815 Werbebotschaft gecatcht? Genau. Wir haben heute so ein Überangebot an Unternehmen, Informationen, Produkten und Services – deshalb können wir es uns nicht leisten, austauschbar oder an der Oberfläche zu kommunizieren. Die Liebe zu Geschichten verbindet uns Menschen, weil sie Angebote greifbar und erlebbar macht und Informationen leichter verständlich werden. Es entsteht der Lagerfeuer-Effekt, den wir nutzen können, um Menschen in unsere Welt einzuladen und die Nähe aufzubauen, die es braucht, damit sie Vertrauen in unsere Leistung gewinnen und sich unserer Marke verbunden fühlen.

Mit welchen Schwierigkeiten hast du dich beim Aufbau deines Business konfrontiert gesehen?

Ich habe den Aufbau meines Unternehmens ehrlicherweise sehr genossen (und tue es nach wie vor) und finde, dass Gründen nie so leicht war wie heute. Es gibt so viele tolle Ressourcen für jedes Budget – von kostenlosen Blogs & Podcasts über Bücher bis hin zu Kursen und Coaching- oder Mentoring-Programmen. Die Herausforderung hierbei war für mich, nicht dem “Shiny New Object Syndrom” zu verfallen und von einem zum nächsten zu springen, statt mich wirklich um das Fundament meines Unternehmens zu kümmern. So habe ich mich einige Male verzettelt, zu viel gewollt oder das Gegenteil – vor lauter Überforderung prokrastiniert. Auch der Social-Media-Konsum und Vergleich mit Anderen ist etwas, das mich immer wieder ins Struggeln gebracht hat. Die Selbstständigkeit ist auf jeden Fall einer der krassesten Hebel für persönliches Wachstum! Es werden dir so viele Themen, Muster und verborgene Glaubenssätze gespiegelt und an die Oberfläche befördert – da tut es gut, Menschen zu haben, mit denen du dich in einem geschützten Rahmen austauschen kannst.

Auf was, das du bisher erreicht hast, bist du besonders stolz?

Mein größter Erfolg ist das Gefühl, jeden Morgen aufzuwachen und selbst entscheiden zu können. In meinem Unternehmen mache ich die Regeln und muss mich keinen Hierarchien oder langwierigen Entscheidungs- und Abstimmungsprozessen unterwerfen – das genieße ich sehr. Ein Beispiel: Montags und freitags gibt’s gar keine Termine bei mir und an den anderen Tagen nicht vor 10 Uhr. 😉 Natürlich bin ich auch stolz darauf zu sehen, welche Ergebnisse die Teilnehmerinnen meiner Programme erzielen und wie sie sich für ein Thema begeistern, das ihnen vorher schwer fiel. Und ja, auch die Tatsache, dass ich genügend Geld verdiene, um meine Mama in den Urlaub einzuladen, fühlt sich gut an.

Welche Fehler hast du gemacht und was hast du daraus gelernt?

Eigene Fehler sind ja immer die wertvollsten. 😉 Hier entsteht häufig das größte Wachstum. Und ich hab einige gemacht: Aufträge angenommen, die von Projekt- oder Kundenseite kein hundertprozentiges Match waren, in Weiterbildungen investiert, ohne die Learnings daraus umzusetzen, mich von den Ergebnissen anderer klein machen lassen – die Liste ist lang. 😀 Aber jeder dieser Fehler hat mich ein Stück näher zu mir selbst gebracht und das Bild geschärft, das ich von meinem Unternehmen habe oder haben will.

Inwieweit nutzt du KI für dein Business?

KI- Tools finde ich besonders da spannend, wo sie mir Prozesse und Workflows beschleunigen oder vereinfachen. Besonders im Bereich Video, in den ich gerade erst eintauche, sehe ich viel Potenzial, angefangen von automatischen Untertiteln bis hin zu KI-gestützten Schnittprogrammen.

Im täglichen Doing nutze ich immer mal wieder ChatGPT zur Recherche und zum Brainstorming, zum Beispiel wenn ich mich für meine Kundinnen und Kunden in neue Themenbereiche, Branchen und Zielgruppen eindenke. Ein solches Tool kann ein toller Anstoß sein, um in den Flow zu kommen – allerdings nur, wenn die nötigen Marketing-Grundlagen vorhanden sind, um passende Prompts zu erstellen und den Output richtig zu bewerten und einzusetzen. Künstliche Intelligenz ohne menschliches Herz & Hirn funktioniert nicht – und das finde ich irgendwie beruhigend.

Welchen Geheimtipp hast du für angehende Gründer?

Eins nach dem anderen! Ich weiß, dass es gefühlt zu Beginn 1.000 Dinge zu erledigen und zu wissen gibt – und alles davon scheint super wichtig. Aber es lohnt sich so sehr, ein starkes, gesundes Fundament aufzubauen und sich ehrlich zu fragen: Wie soll mein Leben als Selbstständige oder Selbstständiger aussehen? Damit sich das Business und die Strukturen darin an diese Vorstellung anpassen können – und nicht andersherum. Dieser Prozess darf Zeit in Anspruch nehmen – “schnell schnell” und zu viel nach links und rechts zu schauen (hallo Vergleicheritis) sorgt nur dafür, dass du nach kurzer Zeit ausbrennst und die Verbindung zu dir und deiner Vision verlierst. Also: Take your time and enjoy the ride!

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