Ein Ausgleich für fehlendes Gehalt?

Kurzarbeit: Ist eine Nebentätigkeit erlaubt?

Viele Arbeitnehmer mussten während des Lockdowns im Frühjahr 2020 in Kurzarbeit arbeiten. Über den Sommer beruhigte sich die Lage wieder etwas. Der zweite Lockdown im Winter 2020/2021 ließ die Kurzarbeit jedoch wieder ansteigen. In beiden Fällen mussten Arbeitnehmer Verdienstausfälle hinnehmen. Logisch, dass viele darüber nachdachten, eine Nebentätigkeit aufzunehmen, um die finanziellen Verluste auszugleichen. Aber funktioniert das überhaupt? Das beantworten wir in diesem Artikel.

Seit Beginn der Corona-Pandemie ist ein System im Berufsleben immer bekannter geworden: die Umstellung in Betrieben auf Kurzarbeit. Davor überwiegend von saisonal tätigen Betrieben angewendet, wendeten zahlreiche Unternehmen diesen Schritt seit März 2020 an, um die Kündigung ihrer Mitarbeiter zu vermeiden. Für viele Arbeitnehmer bedeutete das aber auch den Verlust eines Großteils des Einkommens und sie stellten sich die Frage: Ist während der Kurzarbeit eine Nebentätigkeit erlaubt? Mit dieser Frage befassen wir uns in dem nachfolgenden Artikel.

Definition: Was bedeutet Kurzarbeit?

Zunächst zur Erklärung des Begriffs. Kurzarbeit bedeutet, dass die regelmäßigen Arbeitszeiten eines Arbeitnehmers aufgrund zu geringer Arbeit reduziert werden. Dies ist etwa ein beliebtes Mittel in saisonal tätigen Betrieben, um die Zeit, in der erfahrungsgemäß weniger Aufträge vorliegen, zu überbrücken, ohne die Mitarbeiter entlassen zu müssen. Die Arbeitszeit kann hierbei an die nötigen Umstände angepasst werden. So sind beispielsweise Modelle von Kurzarbeit auf 75 % der regulären Arbeitszeit möglich, auf 50 % oder sogar auf 0 %, die sogenannte Kurzarbeit Null.

Für Arbeitnehmer bedeutet die Umstellung auf Kurzarbeit auch mit Nebentätigkeit natürlich einen Verlust, da ihnen ein Teil des Einkommens nicht mehr zur Verfügung steht. Hierfür stellt die Bundesagentur für Arbeit das Kurzarbeitergeld (KUG) zur Verfügung. Die Höhe dessen richtet sich nach dem Nettoeinkommen, das ein Arbeitnehmer normalerweise erhält. Von diesem fehlenden Anteil ergänzt das Kurzarbeitergeld 60 %, um den Verlust zumindest teilweise auszugleichen. Lebt mindestens ein Kind im Haushalt des Arbeitnehmers, steigt das Kurzarbeitergeld auf 67 %. Im Zuge der langanhaltenden Corona-Pandemie wurden Regelungen erlassen, wonach das KUG bei dauerhaftem Arbeitsausfall erhöht wird.

Ist während der Kurzarbeit eine Nebentätigkeit möglich?

Grundsätzlich ist es erlaubt, in Kurzarbeit eine Nebentätigkeit auszuüben, genauso wie es im geregelten Betriebsalltag möglich ist. Zu beachten ist jedoch, dass sich ein Nebenjob auf die Höhe des KUG auswirken kann. Das sieht wie folgt aus:

  • Übst du schon vor Beginn der Kurzarbeit eine Nebentätigkeit aus, hat das keine Auswirkungen auf dein Kurzarbeitergeld.
  • Nimmst du erst nach dem Start der Kurzarbeit deine Nebentätigkeit auf, so erhöhst du damit dein tatsächliches Entgelt. Der Verdienst durch deine Nebentätigkeit wird somit auf das KUG angerechnet.

Mit anderen Worten: Du darfst während der Kurzarbeit Geld dazuverdienen. Allerdings kannst du mit einer Nebentätigkeit, die du erst dann beginnst, nicht den Entfall deines eigentlichen Gehaltes ausgleichen. Dein zusätzliches Gehalt verrechnet sich mit dem KUG, sodass du weniger KUG erhältst. Dies ist insofern dennoch gut für dich, da das Kurzarbeitergeld steuerfrei ist und dem Progressionsvorbehalt unterliegt. Das bedeutet wiederum, dass du, je länger du in Kurzarbeit angestellt bist, mit einer Steuernachzahlung im Folgejahr rechnen musst.

Sonderregelungen zur Nebentätigkeit in Kurzarbeit

Im Zuge der Corona-Pandemie und des damit verbundenen Anstiegs an Kurzarbeit sowie gleichzeitigem Personalmangel an anderer Stelle hat der Bundesrat einige Sonderregelungen zu Nebenverdiensten erlassen. So sollten Arbeitnehmer in Kurzarbeit, die eine Nebentätigkeit in systemrelevanten Branchen und Berufen neu aufnehmen, diesen Verdienst nicht mit ihrem SOLL-Entgelt verrechnen. Diese Regel galt bis zum 31. Oktober 2020.

Nach einer weiteren Sonderregelung, gültig zwischen dem 01. Januar 2021 und dem 30. Juni 2022, durften geringfügige Beschäftigungen anrechnungsfrei zum Kurzarbeitergeld bleiben. Das bedeutet, dass du in diesem Zeitraum mit einem neu hinzugekommenen 450-Euro-Job diesen Verdienst nicht auf das KUG anrechnen musst.

Fazit: Überlege genau, ob du während der Kurzarbeit eine Nebentätigkeit ausüben möchtest

Rechtlich spricht nichts dagegen, wenn du dir in Kurzarbeit mit einer Nebentätigkeit etwas Geld dazuverdienen möchtest. Allerdings musst du dir im Klaren sein, wie sich diese Tätigkeit auf deine Finanzen auswirkt. Außerhalb etwaiger Sonderregelungen hast du mit einem Nebenverdienst in Kurzarbeit nicht automatisch mehr Geld zur Verfügung – denn dein Kurzarbeitergeld reduziert sich dadurch. Greifen Sonderregelungen wie zuletzt zwischen Januar 2021 und Juni 2022, dann hast du mit einem Nebenjob akut mehr Geld zur Verfügung. Allerdings solltest du dir im Klaren darüber sein, dass du mittelfristig eine Steuerrückzahlung zu befürchten hast. Dies hängt auch davon ab, wie lange und in welcher Form du in Kurzarbeit tätig bist. Ab einem Kurzarbeitergeldbetrag von 410 € jährlich bist du dazu verpflichtet, eine Steuererklärung auszufüllen und diese Leistung mit anzugeben.

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Was bedeutet Kurzarbeit?

Bei Kurzarbeit wird die regelmäßige Arbeitszeit eines Arbeitnehmers über einen bestimmten Zeitraum reduziert. Dies hängt damit zusammen, dass die Aufträge in der Firma fehlen, beispielsweise aufgrund einer schlechten Konjunkturlage oder saisonalen Bedingungen. Um den finanziellen Verlust teilweise aufzufangen, erhalten Arbeitnehmer das Kurzarbeitergeld.

Welche Höhe hat das Kurzarbeitergeld?

Die genaue Höhe des Kurzarbeitergeldes (KUG) richtet sich nach dem fehlenden Nettoeinkommen des Arbeitnehmers. Von diesem fehlenden Anteil sind 60 % KUG (bei mindestens einem Kind im Haushalt 67 %).

Darf man bei Kurzarbeit Geld dazuverdienen?

Grundsätzlich ist eine Nebentätigkeit in Kurzarbeit möglich. Allerdings reduziert sich dadurch im Normalfall das Kurzarbeitergeld, wenn die Tätigkeit erst nach Beginn der Kurzarbeit aufgenommen wurde.

Über den Autor

Autorenprofil: Andreas Fricke

Andreas Fricke

Andreas studierte 2013 nach seinem Abitur Journalismus & Unternehmenskommunikation in Köln. Parallel sammelte er Erfahrung bei den Redaktionen verschiedener Tageszeitungen. Nach dem Studium zog es ihn ins Online-Marketing, wo er mit dem Schwerpunkt auf SEO-Texte und Blogbeiträge fünf Jahre für verschiedenste Themen und Branchen schrieb. Seit März 2022 verstärkt er die Redaktion von Digital Beat und Gründer.de als Junior-Online-Redakteur.

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