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Deutschland ist Retouren-Europameister

Retouren von Online-Bestellungen belasten Klima

In Deutschland werden europaweit die meisten Retouren versendet. Grund dafür sind unter anderem die lange Rückgabezeit und die fehlenden Kosten dafür bei den meisten Händlern. Eine Studie der Universität Bamberg zeigt nun aber: Diese riesigen Mengen wirken sich negativ auf das Klima aus.

99 Milliarden Euro haben die Menschen in Deutschland für Bestellungen übers Internet ausgegeben. Allerdings zeigt eine Studie von Wirtschaftswissenschaftlern der Universität Bamberg: Rund ein Viertel der Pakete wird komplett oder teilweise wieder zurückgeschickt. Das bedeutet wiederum, dass etwa 630 Millionen Pakete an die Händler zurückgegeben worden seien. Mit diesem Wert steht Deutschland ganz oben und ist, wie es die Forscher ausdrückten, „Retouren-Europameister“. Warum die Retouren bei Online-Bestellungen so zahlreich sind, um welche Ware es sich meist handelt und warum das schlecht für das Klima ist, erklären die Wissenschaftler ebenfalls.

Warum gibt es so viele Retouren bei Online-Bestellungen in Deutschland?

Der logische Grund für die hohen Retouren der Online-Bestellungen erklärt Björn Asdecker, Leiter der Forschungsgruppe Retourenmanagement. Die Rücksendung ist hierzulande meist kostenlos, nur etwa 10 % der E-Commerce-Händler verlangen Gebühren für eine Rücksendung. Im europäischen Ausland dagegen ist dies bei etwa der Hälfte aller Händler der Fall. Darüber hinaus sind die Rückgabefristen in Deutschland vergleichsweise lang, sodass mehr Zeit für eine Retoure besteht. Außerdem bestellen die Menschen in der Bundesrepublik deutlich öfter auf Rechnung. Das macht eine Rücksendung im Gegensatz zu einer Bestellung mit Vorauszahlung oder Nachnahme einfacher.

Welche Waren werden zurückgesendet und was passiert dann mit ihnen?

Den Großteil der Retouren von Online-Bestellungen bilden Kleidung und Schuhe (ca. 91 %). „Pro Retourensendung belaufen sich die mittleren Transport– und Bearbeitungskosten auf 6,95 Euro“, so Asdecker. Das mache es natürlich vor allem für kleine Händler deutlich problematischer als für große. Dennoch gibt es auch etwas Gutes in dieser Hinsicht zu vermerken, wie der Leiter der Forschungsgruppe betont. „Deutsche E-Commerce-Händler sind besonders gut darin, ihre Retouren zu verwerten. Der Entsorgungsanteil ist in Deutschland niedriger als im Rest Europas“, so Asdecker. Nur 1 % der Retouren wird letztendlich entsorgt, demgegenüber sind es über 93 %, die sich als Neuware verkaufen lassen. Die restlichen Retouren verkaufen die Anbieter als B-Ware, an industrielle Verwerter oder spenden diese.

Hohe Zahl der Retouren bei Online-Bestellungen belastet das Klima

„Die Rücknahme von Waren gehört zum Verbraucherschutz und ist Teil eingespielter Prozesse im Online- und Versandhandel“, erklärt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel, Martin Groß-Albenhausen. So weit, so gut. Allerdings wirkt sich die hohe Zahl der Retouren bei Online-Bestellungen negativ auf das Klima aus. Wie die Forschungsgruppe bekanntgab, kamen durch die Retouren im vergangenen Jahr 795.000 Tonnen CO2 zustande. Zum Vergleich: So viel produzieren 6,6 Millionen Autos auf der Fahrt von München nach Hamburg. Das Bewusstsein für ihren Anteil am ökologischen Fußabdruck ist in der Branche aber noch nicht gegeben. Nicht einmal 5 % der E-Commerce-Händler messen diesen.

Dieser Faktor ist auch dem Bundesverband bewusst. So ist für den Herbst ein Retourenkompendium angedacht, in dem unter anderem Studienergebnisse von Björn Asdecker, dem Darmstädter Professor Bernd Jörs und dem EHI Reatil Institute präsentiert werden sollen.

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